Träume & Traktanden: Reden und Texte



Gewöhnlich ist es nicht, dass die Reden eines Bundesrates noch während seiner Amtszeit erscheinen. Aber der Erscheinungszeitpunkt des Buches Träume und Traktanden aus dem Limmat Verlag war durchaus gut gewählt. In diesem Jahr hat Bundesrat Moritz Leuenberger präsidiale Pflichten zu übernehmen. Viel Arbeit, viel Repräsentation steht auf der Tagesordnung für den Umwelt-, Verkehrs-, Energie- und Kommunikationsminister. Sehr viel Arbeit schon deshalb, weil er alle Reden selber schreibt, und ein Bundespräsident hat sehr viele Reden in seinem Präsidialjahr zu halten. Reden zu lesen, das muss Spaß machen. Aber es ist schwierig, Reden in Buchform zu veröffentlichen. Denn sie geraten außerhalb des politischen und zeitlichen Kontextes zu einem statischen Text. Das wäre die Regel. Die Ausnahme sind die Reden Moritz Leuenbergers. Warum? Weil sich hier ein Bundesrat nicht auf die Einflüsterer aus den Abteilungen verlässt. Nun, das muss er auch tun, wenn es um tagespolitische Fragen geht: Alles kann ein Bundesrat jederzeit nie wissen.

Aber Leuenbergers Reden sind anders. Sonst würden sie in Buchform nicht nach Erscheinen den ersten Platz der Schweizer Trendsellerliste besetzen. Dem Bundesrat gelingt es immer wieder, nicht nur so genannt zielgruppengenau den richtigen Ton zu treffen. Er vermag es auch, überraschende Gedankengänge unterzubringen. So wie zur Eröffnung des World Economic Forum in Davos, als er Karl Marx zu den Globalisierern der ersten Stunde zählte. Freilich, ein wenig Kritik muss sich auch ein Bundesrat gefallen lassen. Denn auch ein Moritz Leuenberger kommt nicht aus seiner angelernten Anwalthaut heraus. Die wesentlichen Eigenschaften des Rhetors verliert er zuweilen aus dem Blickfeld: Die Sätze geraten ihm zu lang. Und wenn es sich um Relativsätze handelt, zwar fein gedrechselt, geht ihnen die rhetorische Kraft verloren. Er muss sich ja nicht gerade an amerikanischen Gepflogenheiten orientieren, wonach ein Satz mit mehr als fünf Wörtern als unverständlich gilt. Schön sind die Bilder von Damaris Betancourt. Sie verleihen, zwischen die Texte gestreut, den Reden einen Hauch von Poesie. Sie sind als bewusst gesetzte Bildstörungen zu lesen. Sie lenken die Gedanken des Politikers über den politischen Zeitlauf hinaus. Sie verleihen dem Buch einen ästhetischen Gewinn, der jenseits des politischen Alltags liegt. –Carlo Bernasconi

Lesen Sie dazu das Interview mit Moritz Leuenberger.


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